Das Stickerei- und Spitzendorf Van Lam blickt auf eine über 700-jährige Geschichte zurück, die bis in die Zeit der Tran-Dynastie (13. Jahrhundert) reicht. Historischen Überlieferungen zufolge geht dieses Handwerk auf Tran Thi Dung zurück, die Gemahlin des Großkanzlers Tran Thu Do. Sie veranlasste ihre Hofdamen dazu, den Bewohnern von Van Lam die höfische Stickkunst beizubringen. Ursprünglich dienten die Erzeugnisse vor allem religiösen und spirituellen Zeremonien, darunter bestickte Festgewänder, Kopfbedeckungen, Prozessionsschirme und dekorative Altarbehänge für Pagoden und Tempel. Dies trug nicht nur zum Aufblühen des Dorfes bei, sondern verwurzelte das Handwerk tief im spirituellen Leben der Gemeinschaft.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1910 während der französischen Kolonialzeit, schlug das Handwerk in Van Lam ein neues Kapitel auf. Die beiden Dorfbewohner Dinh Ngoc Henh und Dinh Ngoc Xoan reisten nach Hanoi, um die französische Durchbruch- und Spitzenstickerei (Ajourstickerei) zu erlernen. Nach ihrer Rückkehr gaben sie ihr Wissen an die Dorfbewohner weiter und verbanden traditionelle vietnamesische Techniken mit europäischen Einflüssen. Dies ermöglichte eine enorme Vielfalt an Produkten und Fertigungsmethoden. Heute zählt Van Lam zu den wenigen Dörfern in Vietnam, die die Kunst des Fadenziehens und kunstvollen Verwebens beherrschen – ein einzigartiges Handwerksgeheimnis, das durch keine Maschine ersetzt werden kann.
Im Dorf befindet sich zudem ein Ahnentempel zu Ehren der Gründer des Handwerks mit dem berühmten Spruchpaar: „Edle Musterkunst wird künftigen Generationen überliefert – Meisterhafte Vollendung ehrt die alten Meister“. Trotz historischer Umbrüche hat das Handwerk in Van Lam alle Herausforderungen gemeistert und ist heute als anerkanntes immaterielles Kulturerbe ein stolzer Teil der reichen Kultur der alten Hauptstadt Hoa Lu.


