Für die Menschen in Hue ist das Thanh-Minh-Fest nicht nur ein bloßes Ritual, sondern ein Tag, an dem die gesamte Familie zusammenkommt und sich gemeinsam auf ihre Wurzeln besinnt. An diesem Tag begeben sich die Familien gemeinsam zur Grabpflege der Ahnen. Dies ist eine Aktivität von tiefem pädagogischen Wert, da Kinder und Enkelkinder aktiv daran teilhaben, die letzte Ruhestätte der Verstorbenen zu pflegen.

Auf den Friedhöfen, insbesondere im Bereich Dong Mo rund um den Berg Ngu Binh, herrscht ein reges Treiben. Jede Familie bereitet Räucherstäbchen, Votivpapier, Früchte und Gebäck vor, um sie den Ahnen darzubringen. Die Hauptaufgabe bei der Grabpflege besteht darin, die Gräber gründlich zu säubern und herzurichten. Mit Hacken und Schaufeln werden die Grabhügel wieder aufgeschüttet und begradigt, Unkraut gejätet und Gestrüpp entfernt. Diese Arbeit sorgt nicht nur für ein gepflegtes Erscheinungsbild der Grabstätten, sondern drückt auch die Fürsorge und Verbundenheit der Nachkommen mit den Verstorbenen aus.
Nach den Aufräumarbeiten entzünden die Familienmitglieder Räucherstäbchen, verbrennen Votivpapier und sprechen Gebete, um der Ahnen zu gedenken und ihren Segen zu erbitten. Auch die Kinder sind dabei, um zu lernen, sich allmählich die Lage der Familiengräber einzuprägen und die Bedeutung der Ehrerbietung gegenüber Eltern und Großeltern zu begreifen. Besonders bemerkenswert ist, dass selbst an verwaisten Gräbern, die von niemandem besucht werden, von den Vorbeigehenden ein Räucherstäbchen entzündet wird – ein Ausdruck von Mitgefühl und Menschlichkeit der hiesigen Bevölkerung.

