Tabus in den Bräuchen der ethnischen Minderheiten in Quang Binh

Zentralvietnam

Quang Binh

Sovaba.travel

Aktualisiert: 23/09/2026

1. Die Vielfalt der ethnischen Minderheiten in Quang Binh

Quang Binh, eine sonnen- und windreiche Region in Zentralvietnam, besticht nicht nur durch hohe Berge, tiefe Flüsse und spektakuläre Höhlen, sondern ist auch die Heimat von Volksgruppen mit ganz eigenen Bräuchen und Glaubensvorstellungen. Die Bru-Van Kieu und die Chut sind zwei herausragende ethnische Gruppen, die den Geist der Bergwälder in sich tragen und deren überlieferte Bräuche eng mit der Natur verflochten sind.  

Die Bru-Van Kieu mit mehr als 94.598 Angehörigen (laut Statistik von 2019) leben hauptsächlich in den Bergdistrikten von Quang Binh, Quang Tri und Thua Thien Hue. Die Chut hingegen zählen nur rund 7.513 Menschen und konzentrieren sich vor allem auf Minh Hoa und Tuyen Hoa in Quang Binh. Sie unterteilen sich in kleinere Untergruppen wie die Arem, Ruc, May, Sach und Malieng. Trotz unterschiedlicher Lebensweisen bewahren sie alle ihre eigenen überlieferten Regeln, um die Natur zu achten, die Gemeinschaft zu schützen und die Verbindung zu ihren Ahnen zu pflegen.  

Das Volk der Ruc in Quang Binh
Foto: Das Volk der Ruc in Quang Binh

Diese Tabus sind nicht nur einfacher Aberglaube, sondern ungeschriebene Lebensgesetze. Sie helfen den Menschen, im Einklang mit dem dichten Wald, den Bächen und den unsichtbaren Geistern zu leben, von denen sie glauben, dass sie stets über sie wachen und ihnen Schutz gewähren.

2. Tabus in der Kultur der ethnischen Minderheiten

Die Angehörigen der Bru-Van Kieu glauben seit Generationen daran, dass diese Welt nicht nur den Menschen gehört, sondern auch von Gottheiten sowie Wald- und Wassergeistern bewohnt wird – unsichtbaren, aber überaus mächtigen Wesenheiten. Aus diesem Grund beachten sie im Alltag strenge Tabus, um die Ahnen und Schutzgeister nicht zu erzürnen.  

Sie verehren insbesondere das Feuer und den Herdgeist, die als Hüter der familiären Wärme gelten. Wenn eine Braut in das Haus des Bräutigams einzieht, führt die Schwiegermutter sie in die Küche und unterweist sie sorgfältig in den Küchenregeln; denn dieser Ort dient nicht nur der Zubereitung von Speisen, sondern bewahrt auch den Frieden und den Wohlstand der gesamten Familie. Für die frisch Vermählte gilt die Regel, dass sie sich ausschließlich zwischen der Küche und dem Schlafzimmer der Eheleute bewegen darf und den Gästebereich, der fremden Besuchern vorbehalten ist, keinesfalls betreten darf.  

Die Van Kieu vermeiden es zudem streng, die Namen von Verstorbenen auszusprechen. Sobald ein Verstorbener in den Geisterwald gebracht wurde, gilt die Verbindung der Lebenden zu ihm als beendet. Seinen Namen zu nennen, seine Gegenstände zu berühren oder Handlungen vorzunehmen, die an ihn erinnern, gilt als unheilbringend.  

Auch die Chut, insbesondere die Untergruppe der Malieng, haben eigene Verbote. Befinden sich Gäste im Haus, ist das Pfeifen im Innenraum streng untersagt. Laut dem Dorfältesten Cao Dung lockt dieses Verhalten Geister an und zeugt von Respektlosigkeit gegenüber den Hausgeistern. Darüber hinaus fürchten die Chut Donnerschläge sehr, da sie darin den Zorn der Gottheiten sehen, der Unheil ankündigt.  

Ein Ritual des Volkes der Chut in Quang Binh
Foto: Ein Ritual des Volkes der Chut in Quang Binh

Einige weitere wesentliche Tabus: 

  • Natur: Das Betreten heiliger Wälder, das Jagen heiliger Tiere sowie das willkürliche Fällen von Bäumen oder Verunreinigen von Quellen sind untersagt.  
  • Ahnen und Spiritualität: Gegenstände von Verstorbenen dürfen nicht berührt und die Namen Verstorbener für einen bestimmten Zeitraum nicht ausgesprochen werden.  
  • Dorfgemeinschaftliche Bräuche: Die Chut vertrauen auf die Autorität des Dorfältesten; sämtliche Opferrituale und Angelegenheiten der Ernte müssen von ihm bestimmt werden.  

Diese Tabus sind weit mehr als bloßer Glaube: Sie stellen eine Lebensweise dar, die es den Menschen ermöglicht, in Harmonie mit der Natur, der geistigen Welt und untereinander zusammenzuleben.

3. Kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung

Die Tabus sind nicht einfach nur gesellschaftliche Verhaltensregeln, sondern das Bindeglied zwischen Mensch, Natur, Ahnen und Gemeinschaft. Jedes Verbot birgt eine tiefgründige Botschaft in sich: Das Verbot, heilige Wälder zu stören, entspringt nicht nur spirituellem Glauben, sondern schützt zugleich die Umwelt und bewahrt die unberührten Urwälder, in denen die Menschen göttliche Geister vermuten. Ebenso zeugen die strengen Vorschriften bei Trauerfeiern nicht bloß von Verzicht, sondern drücken tiefen Respekt vor den Verstorbenen aus und sorgen dafür, dass die Lebenden nicht von der jenseitigen Welt beunruhigt werden.  

Das System der Tabus bei den ethnischen Minderheiten in Quang Binh spiegelt eine zutiefst humanistische Weltanschauung wider, die auf dem Respekt vor der Natur, den Ahnen und dem harmonischen Miteinander in der Gemeinschaft beruht. Diese Bräuche wurden von Generation zu Generation weitergegeben und tragen dazu bei, die einzigartige kulturelle Identität im Wandel der Zeit zu bewahren.  

Respekt vor der Kultur der ethnischen Minderheiten
Foto: Respekt vor der Kultur der ethnischen Minderheiten 

Um diese Glaubensvorstellungen tiefer zu verstehen, bedarf es fundierter ethnologischer Forschungen sowie des offenen Austauschs mit den Gemeinschaften vor Ort. Wenn Sie diese Regionen bereisen, treten Sie achtsam auf, informieren Sie sich vorab über die lokalen Gepflogenheiten oder nehmen Sie an Reisen nach Quang Binh teil, bei denen Ihnen sachkundige Reiseleiter detaillierte Einblicke vermitteln. Denn kultureller Respekt schützt Sie nicht nur vor Missverständnissen, sondern eröffnet Ihnen auch einen authentischen Zugang zu diesem Landstrich und seinen Menschen.

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