Das Gemälde „Neun Drachen in den Wolken“ im Khai-Dinh-Mausoleum: Ein über 100 Jahre altes Meisterwerk und seine ungeklärten Geheimnisse

Zentralvietnam

Thua Thien Hue

Khai-Dinh-Mausoleum

Sovaba.travel

Aktualisiert: 23/09/2026

1. Wo befindet sich das Gemälde „Neun Drachen in den Wolken“?

An der Decke der drei mittleren Schiffe der Khai-Thanh-Halle im Thien-Dinh-Palast – dem Herzstück des Khai-Dinh-Mausoleums – erstreckt sich das Deckenfresko „Neun Drachen in den Wolken“, eines der herausragendsten Kunstwerke der Nguyen-Dynastie. Dies ist der heiligste Bereich der Grabanlage auf dem Hügel Chau Chu (Chau E), rund 10 km vom Stadtzentrum von Hue entfernt, in dem sich der Altar und die Ruhestätte von Kaiser Khai Dinh befinden.

Beim Betreten der Khai-Thanh-Halle werden Besucher sofort von dem monumentalen Deckenfresko in den Bann gezogen. Die neun Drachen winden sich lebendig durch dichte, wogende Wolkenschichten und erwecken den Eindruck, als würden sie sich tatsächlich durch den Raum bewegen. Mit einer Länge von rund 10 Metern und einer Breite von fast 11 Metern zählt es zu den großflächigsten und künstlerisch wertvollsten Deckenmalereien Vietnams.

Khai-Dinh-Mausoleum, auch bekannt als Ung Lang

Foto: Khai-Dinh-Mausoleum, auch bekannt als Ung Lang 

Direkt unterhalb des Gemäldes befindet sich ein etwa eine Tonne schwerer Baldachin aus Zement, der mit kunstvollen Drachenreliefs verziert ist. Darunter thront die 1920 in Frankreich gegossene Bronzestatue von Kaiser Khai Dinh auf seinem Thron. Hinter dem Grabmal symbolisiert eine untergehende Sonne das Ende eines kaiserlichen Lebens und verleiht dem gesamten Raum eine feierliche, ehrfürchtige Atmosphäre.

Das harmonische Zusammenspiel von Architektur, Bildhauerei und Malerei verwandelt die Khai-Thanh-Halle in ein außergewöhnliches Freilichtmuseum. Das Deckenfresko „Neun Drachen in den Wolken“ bildet dabei nicht nur den optischen Mittelpunkt, sondern auch die Seele dieses Bauwerks – ein Meisterwerk, das seit über einem Jahrhundert Bewunderung hervorruft.

2. Die Entstehungsgeschichte des Gemäldes „Neun Drachen in den Wolken“

Der Bau des Khai-Dinh-Mausoleums begann im September 1920 unter Kaiser Khai Dinh und wurde nach 11 Jahren Bauzeit im Jahr 1931 unter Kaiser Bao Dai vollendet. Es ist die letzte Grabanlage der Nguyen-Dynastie und markiert die bemerkenswerte Verschmelzung traditioneller vietnamesischer Architektur mit westlichen Stilelementen.

Um ein unverwechselbares Denkmal zu schaffen, ließ Kaiser Khai Dinh Porzellan, Glas, Kristall und exklusive Materialien aus Frankreich, China und Japan importieren und rief die talentiertesten Kunsthandwerker des Landes nach Hue. So entstand im Thien-Dinh-Palast ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk mit feinsten Porzellan-Mosaiken, Reliefs und detailreichen Ornamenten.

Drachenmotive aus verschiedenen Blickwinkeln

Foto: Drachenmotive aus verschiedenen Blickwinkeln 

Herausragendes Glanzstück dieses Raumes ist das Deckenfresko „Neun Drachen in den Wolken“ über den drei mittleren Bereichen der Khai-Thanh-Halle. Geschaffen von Meister Phan Van Tanh (Cuu Tanh), gilt es als ein Meilenstein der vietnamesischen Palastmalerei. Neben seinem ästhetischen Wert verkörpert das Werk die kaiserliche Autorität: Die neun zwischen Wolken aufblitzenden Drachen symbolisieren höchste Macht, Beständigkeit und den Wunsch nach ewiger Herrschaft der Dynastie. Auch nach über hundert Jahren bleibt dieses Werk der Höhepunkt jedes Besuchs in Hue.

3. Meister Phan Van Tanh und die Legende vom Malen mit den Füßen

Hinter der Monumentalität von „Neun Drachen in den Wolken“ steht das außergewöhnliche Können von Meister Phan Van Tanh, auch bekannt als Cuu Tanh – einem der herausragendsten Hofkünstler der Nguyen-Dynastie. Kaiser Khai Dinh vertraute ihm die anspruchsvolle Gestaltung der Decke der Khai-Thanh-Halle an, eine Aufgabe, die meisterhafte Technik, eiserne Disziplin und seltene Schöpferkraft verlangte. Historischen Berichten zufolge verbrachte Phan Van Tanh zahllose Stunden auf Gerüsten auf dem Rücken liegend direkt unter der Decke. Das Besondere: Er malte nicht nur mit den Händen, sondern führte und hielt Pinsel auch mit beiden Füßen und nahm teils einen weiteren Pinsel in den Mund, um mehrere Details gleichzeitig und fließend zu bearbeiten. Diese außergewöhnliche Haltung ermöglichte ihm den perfekten Abstand zur Malfläche und verlieh den Linien über die riesige Fläche hinweg eine unvergleichliche Harmonie.

Das Meisterwerk von Phan Van Tanh

Foto: Das Meisterwerk von Phan Van Tanh 

Um das Gemälde rankt sich eine berühmte Anekdote: Als Kaiser Khai Dinh die Baustelle besichtigte, bemerkte er, dass der Künstler vertieft weiterarbeitete, ohne herabzusteigen und die vorgeschriebene Verbeugung zu vollziehen. Verärgert stellte der Herrscher ihn zur Rede. Phan Van Tanh erklärte ruhig, dass jede Unterbrechung den kreativen Fluss stören und die Qualität des Werkes mindern würde. Als der Kaiser aufblickte und die lebendig über den Himmel gleitenden Drachen sah, verflog sein Zorn augenblicklich und wandelte sich in höchste Bewunderung. Der Kaiser soll ausgerufen haben: „Gäbe es zwei Menschen wie Cuu Tanh auf der Welt, würde ich Euch köpfen lassen.“ Ein kaiserlicher Ausspruch, der den unschätzbaren Wert dieses Ausnahmetalents für die Nachwelt festhielt.

Noch heute versetzt das Werk „Neun Drachen in den Wolken“ Betrachter in Erstaunen – sowohl durch seine kunsthistorische Bedeutung als auch durch die Hingabe des Künstlers, der hier sein Lebenswerk schuf. Phan Van Tanhs Talent und Hingabe machten das Deckenfresko zu einem zeitlosen Wahrzeichen des Khai-Dinh-Mausoleums und der vietnamesischen Hofkunst.

4. Faszinierende und wenig bekannte Geheimnisse des Gemäldes

Neben seinem künstlerischen Rang birgt das Werk „Neun Drachen in den Wolken“ einige erstaunliche Besonderheiten, die Fachleute und Reisende bis heute faszinieren.

Nahezu makellose Farbbrillanz nach über einem Jahrhundert

Trotz des feuchtwarmen Klimas in Hue über fast 100 Jahre hinweg behält das Deckenbild seine leuchtenden Farben und eine erstaunliche Beständigkeit – ganz ohne größere Restaurierungen.

Das Phänomen der „spinnwebenfreien Decke“

Reiseleiter berichten immer wieder von einem erstaunlichen Detail: An der mit den Neun Drachen bemalten Decke finden sich so gut wie nie Spinnweben, während sie an anderen Stellen der Khai-Thanh-Halle durchaus vorkommen. Eine eindeutige wissenschaftliche Erklärung gibt es dafür bislang nicht.

Einzigartiger Kontrast zwischen Malerei und Porzellan-Mosaik

Während die Wände des Thien-Dinh-Palastes von leuchtenden Mosaiken aus Porzellanscherben und Buntglas dominiert werden, bildet das Deckenfresko eine direkt gemalte Fläche – ein meisterhafter gestalterischer Kontrast von höchstem ästhetischem Wert.

Symbol für kaiserliche Macht und Ewigkeit

Die neun in den Wolken verborgenen Drachen stehen nicht nur für visuelle Eleganz, sondern verkörpern kaiserliche Autorität, Wohlstand und die Unvergänglichkeit der Dynastie. Diese tiefgründige Symbolik macht das Werk zu einem der eindrucksvollsten Höhepunkte im Khai-Dinh-Mausoleum.

5. Kulturelle Bedeutung und Symbolik des Meisterwerks

Das Werk „Neun Drachen in den Wolken“ ist weit mehr als ein Gemälde – es ist ein tief verankertes Symbol der vietnamesischen Kultur. Der Drache verkörpert Herrschergewalt, lebensspendenden Regen und Wohlstand. Das Motiv der in Wolken gehüllten Drachen versinnbildlicht das Geheimnisvolle und Unsterbliche des Kaisertums, während es zugleich buddhistisch-daoistische Harmonien zwischen Himmel und Erde widerspiegelt. Historisch bezeugt das Mausoleum auch die Offenheit von Kaiser Khai Dinh gegenüber westlichen Einflüssen, die er von seinen Frankreichreisen mitbrachte und in traditionelle Bauformen integrierte.

Für den Kulturtourismus in Hue bildet das Werk einen wesentlichen Baustein des UNESCO-Welterbes der Monumente von Hue. Es zeugt vom meisterhaften Können vergangener Generationen und unterstreicht die Bedeutung des Denkmalschutzes.

Nehmen Sie sich Zeit für die Betrachtung des Gemäldes
Foto: Nehmen Sie sich Zeit für die Betrachtung des Gemäldes 

Um die Schönheit von „Neun Drachen in den Wolken“ in ihrer ganzen Pracht zu erleben, eignen sich der frühe Morgen oder der späte Nachmittag besonders gut. Wenn das natürliche Licht schräg durch die Portale einfällt, entfaltet das Gemälde seine magische Tiefenwirkung. Bei einer geführten Tour durch das Khai-Dinh-Mausoleum mit Sovaba Travel erfahren Sie von erfahrenen Reiseleitern alle Hintergründe und faszinierenden Geschichten zu diesem Meisterwerk.

Was dieses Kunstwerk so unvergleichlich macht, ist nicht allein seine Dimension oder die ausgefeilte Technik, sondern die Aura der Legenden: Von Meister Phan Van Tanh, der über Kopf mit Händen und Füßen malte, bis hin zur rätselhaften Farbfrische ohne Spinnweben – all dies macht „Neun Drachen in den Wolken“ zu einer lebendigen Legende, die Generationen von Besuchern tief beeindruckt.

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