Der Bau des Nam-Giao-Altars begann im Jahr 1806 und wurde 1807 unter König Gia Long vollendet. Die Giao-Opferzeremonie (Opferung an Himmel und Erde) war das wichtigste Ritual der Feudalzeit, da der Herrscher nach konfuzianischer Auffassung als „Sohn des Himmels“ galt, der das Volk nach himmlischem Mandat regierte. Folglich war die Giao-Zeremonie nicht nur ein spiritueller Ritus, sondern auch ein politischer Akt zur Festigung der kaiserlichen Macht und Autorität.

Von 1807 bis 1885 wurde die Giao-Opferzeremonie alljährlich im Frühjahr abgehalten. Ab 1891 fand sie dann alle drei Jahre statt. Die letzte Zeremonie der Nguyen-Dynastie an diesem Ort wurde im Jahr 1945 vollzogen.
Nach dem Zusammenbruch der Nguyen-Dynastie verfiel der Nam-Giao-Altar allmählich und erlitt während zweier Kriege schwere Zerstörungen. Im Jahr 1977 wurde direkt auf den Fundamenten des oberen runden Altars ein Gefallenendenkmal errichtet, was in der Öffentlichkeit auf großes Unverständnis stieß. Erst 1992 wurde dieses Denkmal verlegt und die Restaurierung sowie der Wiederaufbau des Nam-Giao-Altars in Angriff genommen. 1993 wurde der Nam-Giao-Altar von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – ein entscheidender Meilenstein für die Erhaltung und Wiederherstellung dieser historischen Stätte.

