Das Volk der Bru Van Kieu, das der Mon-Khmer-Sprachfamilie angehört, zählt zu den alteingesessenen indigenen Gemeinschaften im Truong-Son-Gebirge und lebt hauptsächlich in Quang Binh, Quang Tri sowie Thua Thien Hue. Durch die jahrhundertelange Verbundenheit mit den Bergen und Wäldern haben sie einen reichen Kulturschatz geschaffen, in dem das Brokatweben als Symbol für handwerkliches Geschick, Kreativität und ethnische Identität gilt.
In den Anfängen, als der Anbau von Baumwolle oder das Spinnen von Garn noch unbekannt war, nutzten die Bru Van Kieu natürliche Ressourcen wie die Rinde des Giftbaums (Sui-Baum) und des A-mung-Baums zur Herstellung von Kleidung. Durch Schälen, Fasergewinnung, Wässern und Trocknen fertigten sie schlichte Lendenschurze und Gewänder für den Alltag. Diese aus Baumrinde gefertigten Relikte sind noch heute in Museen zu sehen und zeugen von der bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit und dem Einfallsreichtum der Bewohner des Truong-Son-Gebirges seit Urzeiten.

Mit der Entwicklung des Anbaus von Baumwolle und Jute sowie des Spinnens verfeinerte sich auch die Webtechnik der Bru Van Kieu zusehends. Auf traditionellen Webstühlen schufen die Großmütter und Mütter farbenprächtige Brokatstoffe mit Mustern, die den Geist der Bergwälder atmen. Das Webhandwerk wurde über Generationen hinweg weitergegeben und vor allem von den Frauen gepflegt – nicht nur für die Alltagskleidung, sondern auch für rituelle Zeremonien und traditionelle Feste wie das Aussaatfest, das Fest des neuen Reises oder das Trommelschlagfest der Ma Coong. Bis heute ist jedes Brokatgewebe der Bru Van Kieu nicht nur ein handwerkliches Erzeugnis, sondern ein „gewebtes Gedächtnis“, das Geschichte, Glaube und kulturelle Identität dieser Gemeinschaft im Herzen des Truong-Son-Gebirges bewahrt.


