Die Architektur der Bai-Dinh-Pagode verbindet klassische vietnamesische Baukunst meisterhaft mit modernen Dimensionen zu einem prachtvollen Gesamtkunstwerk. Die von Professor Hoang Dao Kinh entworfene Anlage zeichnet sich durch monumentale Baukörper und schwungvoll geschwungene Dächer in Form von Phönixschweifen aus – ein typisches Merkmal der vietnamesischen Architektur, das sich deutlich von den geraden Dachlinien Chinas unterscheidet. Als Baumaterialien dienten vor allem blauer Ninh-Binh-Kalkstein, edles Hartholz für Säulen und Dachstühle, Holzimitat-Beton für Großbauten sowie dunkelbraun glasierte Dachziegel aus Bat Trang. Die Tempelanlage steigt entlang der Hauptachse stufenweise in fünf Ebenen an: inneres Dreitor (Tam Quan), Glockenturm, Quan-Am-Halle, Phap-Chu-Halle und Tam-The-Halle. Die Dachhöhen nehmen dabei kontinuierlich zu: 16.5 m (Tam Quan), 22 m (Glockenturm), 14.8 m (Quan-Am-Halle), 30 m (Phap-Chu-Halle) und 34 m (Tam-The-Halle).
Die alte Pagode (Alte Bai-Dinh-Pagode)
- Lage: Auf einem 187 m hohen Berg gelegen, etwa 800 m von der neuen Pagode entfernt.
- Besonderheit: Die alte Pagode blickt auf eine fast 1000-jährige Geschichte zurück und wurde während der Ly-Dynastie von Zen-Meister Nguyen Minh Khong entdeckt und begründet.
- Architektur: Typisch für den in Ninh Binh verbreiteten Höhlentempelstil. Statt geschwungener Dächer und mächtiger Säulen befinden sich die Altäre für Buddha und die Muttergöttinnen tief im Inneren schattiger Berghöhlen (wie der lichten Höhle zur Buddha-Verehrung und der dunklen Höhle für die Muttergöttinnen und Feen), was eine sakrale und geheimnisvolle Atmosphäre schafft.
- Bedeutung: Hier errichtete König Dinh Tien Hoang einen Altar für Himmelsopfer, und Nguyen Minh Khong fand hier Heilkräuter, um die Tiger-Krankheit von König Ly Than Tong zu heilen. Als König Le Thanh Tong den Ort bereiste, widmete er ihm vier Schriftzeichen: „Minh Dinh danh lam“ (Berühmter Tempel auf dem lichten Gipfel), um dessen Schönheit zu preisen.
- Denkmalstatus: Die alte Bai-Dinh-Pagode wurde 1997 zum Nationalen Historischen, Kulturellen und Revolutionären Denkmal erklärt.

Die neue Pagode (Neue Bai-Dinh-Pagode)
- Ausmaß: Die Bauarbeiten begannen 2003; das Areal erstreckt sich über 80 ha und liegt malerisch eingebettet zwischen Seen und Karstbergen.
- Architektur: Monumental und eindrucksvoll, dennoch tief in der vietnamesischen Bautradition verwurzelt. Das markanteste Merkmal sind die dunkelbraunen Dächer, die wie Phönixschweife geschwungen sind.
- Materialien: Verwendung regionaler Werkstoffe wie blauer Ninh-Binh-Kalkstein, edle Harthölzer und dunkelbraun glasierte Bat-Trang-Ziegel, die die meisterhafte Handwerkskunst renommierter traditioneller Handwerksdörfer widerspiegeln.
- Hauptbauwerke: Tam-The-Halle, Phap-Chu-Halle, Quan-Am-Halle, Stupa, Glockenturm, Arhat-Wandelgang…
Ob die ehrwürdige, andächtige Stille der Höhlentempel oder die majestätische Erhabenheit der neuen Architektur: Das Zusammenspiel beider Bereiche macht die Bai-Dinh-Anlage zu einem Ort von reichem historischem und spirituellem Wert sowie zu einem einzigartigen architektonischen Meisterwerk Vietnams.

