Die Küche der Bru – Van Kieu entstand aus der engen Verbundenheit mit dem Truong-Son-Gebirge. Jede Speise spiegelt die schlichte Lebensweise, den Gemeinschaftssinn und die tiefe Dankbarkeit gegenüber der Natur wider. Ohne komplizierte Zubereitungsmethoden hinterlassen die Mahlzeiten dieser Volksgruppe dank ihrer ursprünglichen Aromen und der herzlichen Darbietung einen bleibenden Eindruck bei den Gästen. Die Zutaten stammen überwiegend direkt aus den Wäldern und von den Terrassenfeldern: Bergreis, Wildkräuter, Bambussprossen, Bananenblütenherzen, Rattantriebe, Bachfische, Bachgarnelen, Freilandhühner sowie charakteristische Gewürze wie wilder Chili und Waldzitronenblätter. Für die Bru – Van Kieu sind dies nicht bloß Nahrungsmittel, sondern wertvolle Geschenke der Natur. Dementsprechend zielt auch die Zubereitung darauf ab, den reinsten natürlichen Geschmack zu bewahren: Gegrillt über glimmender Holzkohle, gedämpft in Waldblättern, als Suppe mit Kräutern und Fisch gekocht oder im Bambusrohr gegart – unter weitestgehendem Verzicht auf fettiges Braten.
Auch das Ambiente beim Essen zeugt von der reichen lokalen Kultur. Man versammelt sich um runde Bambustabletts oder Bananenblätter, isst traditionell mit den Händen, teilt Speisen, reicht den Krugreiswein herum und lauscht den Volksliedern, die durch die Bergwälder hallen. Ein solches Mahl dient daher nicht allein der Sättigung, sondern ist ein Moment des familiären und gemeinschaftlichen Zusammenhalts sowie ein Ausdruck der herzlichen Gastfreundschaft der Bru – Van Kieu gegenüber Gästen aus der Ferne.

Einige Spezialitäten werden ausschließlich zu bedeutsamen Anlässen wie Hochzeiten, traditionellen Festen oder dem Fest des neuen Reises im 10. bis 11. Mondmonat zubereitet. Jedes Gericht besitzt eine eigene Symbolik und steht für Wohlstand, Frieden und den Dank an die Ahnen und den Himmel, die das Leben in der Wildnis behüten und nähren.
Aus diesem Grund erschöpft sich die Küche der Bru – Van Kieu keineswegs im reinen Essen. In jedem Reiskorn, jeder im Bambusrohr gegarten Portion Klebreis und jeder Schale Wildkräutersuppe liegen die Erinnerungen des Dorfes, die Wärme der Feuerstelle und das über Generationen weitergegebene Kulturerbe. Wer einmal an der Tafel der Bru – Van Kieu Platz genommen hat, wird verstehen, dass nicht nur der unverfälschte Geschmack in Erinnerung bleibt, sondern vor allem die schlichte menschliche Wärme und die tiefe Ehrfurcht vor der Natur und den eigenen Wurzeln.




