Lackkunst aus Tien Non: Einzigartiges traditionelles Handwerk im Herzen der alten Kaiserstadt

Zentralvietnam

Thua Thien Hue

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Aktualisiert: 23/09/2026

1. Entstehungsgeschichte des Lackhandwerks in Tien Non

Das Lackhandwerk in Hue hat seine Wurzeln in traditionsreichen Dörfern wie Trieu Son, Dia Linh und insbesondere Tien Non – einem Ort, der als Wiege dieser erlesenen Kunstform gilt. Historischen Dokumenten zufolge reicht die Lackkunst bis in die Feudalzeit zurück und spielte eine bedeutende Rolle bei der Verzierung von Palästen, Kaisergräbern und Tempeln. Unter der Herrschaft von Kaiser Khai Dinh wurde den Kunsthandwerkern aus Tien Non sogar die ehrenvolle Aufgabe übertragen, die roten und vergoldeten Lackarbeiten in der Kaiserstadt Hue zu restaurieren, was das herausragende Ansehen des Dorfes untermauerte. Trotz aller historischen Wandlungen wird dieses kostbare Handwerk in Tien Non von Generation zu Generation weitergegeben und mit großer Hingabe gepflegt.

Dorf Tien Non - traditionsreiches Lackkunstdorf in Hue
Foto: Dorf Tien Non - traditionsreiches Lackkunstdorf in Hue 

Weit über ein bloßes Kunsthandwerk hinaus hat sich die Lackarbeit aus Hue zu einer einzigartigen Kunstform entwickelt. Aus volkstümlichen Techniken hervorgegangen, wuchs sie zu einer hochentwickelten feinen Kunst heran, die das kulturelle Profil Vietnams prägte und internationale Bekanntheit erlangte. Hue bildet eines der bedeutendsten Zentren dieser Kunst und trägt maßgeblich zur weltweiten Wertschätzung der vietnamesischen Lackkunst bei. Im Jahr 2016 reichte Vietnam zudem einen Antrag bei der UNESCO ein, um die traditionelle Lackkunst als immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. In Tien Non bleibt das Handwerk nicht nur fest mit seinen Wurzeln verbunden, sondern öffnet sich auch der Moderne, indem lokale Rohstoffe verarbeitet und kreative Produkte für den Tourismus sowie den Export geschaffen werden, die die Schönheit der Lackkunst von Hue in die Welt hinaustragen.

2. Der traditionelle Herstellungsprozess der Lackkunst in Tien Non

Die Herstellung von Lackwaren in Tien Non vereint althergebrachte Handwerkstechniken mit der bemerkenswerten Geduld der Kunsthandwerker. Die Fertigstellung eines einzelnen Werks dauert meist mehrere Monate bis zu einem ganzen Jahr, da jeder Schritt höchste Präzision verlangt.

Vorbereitung der Rohstoffe

Der Hauptrohstoff ist das Naturlackharz des Lackbaums (Rhus succedanea), der in den Bergregionen rund um Hue gewonnen wird. Nach der Ernte ruht das Harz mehrere Monate lang in Holz- oder Bambusfässern und setzt sich in drei Schichten ab: Die oberste Schicht (doi nhat, nicht verwendet), die mittlere Schicht (doi nhi, als Rohwachslack verwendet) und die unterste Schicht (doi tam, zur Herstellung von schwarzem Lack). Zudem kommen pflanzliche Öle wie Tungöl und Canariumöl, Kiefernharz, mineralischer Zinnoberrot sowie Blattgold und Blattsilber zum Einsatz, um Farbnuancen und Haltbarkeit zu erzielen.

Um den charakteristischen warmen Bernstein- und Kastanienbraunton zu erzielen, rühren die Kunsthandwerker den Lack bis zu 48 Stunden lang ununterbrochen in Holzschalen mit speziellen Rührwerkzeugen und mischen ihn anschließend mit frischem Kiefernharz. Der tiefschwarze Lack (son then) wird hingegen durch die sorgfältige Kombination von Rohwachslack mit feinstem Holzkohlepulver hergestellt.

Lack von perfekter Qualität mit dem typischen bernsteinbraunen Schimmer
Foto: Lack von perfekter Qualität mit dem typischen bernsteinbraunen Schimmer 

Herstellung des Holzkorpus (Voc)

Der Trägerkörper (Voc) bildet das Fundament jedes Lackkunstwerks und wird meist aus Jackfrucht- oder Zedrachholz gefertigt – Hölzern, die leicht und formbeständig sind. Nach dem Wässern zum Schutz vor Termiten wird das Holz getrocknet und mit einer Grundierungsschicht (einer Mischung aus Rohlack mit Tonerde oder Branntkalk) versiegelt. Jede Schicht muss an der Luft trocknen, bevor nach mehrfachem Auftragen ein gründlicher Nassschliff erfolgt, um eine makellos glatte Oberfläche zu erzielen. Bei besonders feinen Stücken kann allein dieser Vorbereitungsprozess bis zu zwei Monate in Anspruch nehmen.

Lackierung und kunstvolle Verzierung

Sobald der Korpus fertiggestellt ist, tragen die Kunsthandwerker mehrere Schichten Rohlack auf, die jeweils sorgfältig nass geschliffen werden, um eine tiefgründige Brillanz zu erzeugen. Die anschließende Verzierung bildet die Seele des Kunstwerks: Vergoldung mit Blattgold, Belegung mit Blattsilber, filigrane Malereien oder erhabene Relieftechniken. Zuletzt wird das Objekt von Hand mit feiner Holzkohle oder Bambusrinde poliert, wodurch die tiefer liegenden Farbschichten sanft durchschimmern – das unverwechselbare Markenzeichen echter vietnamesischer Lackkunst.

Dieser Prozess erfordert nicht nur meisterhaftes Können, sondern hängt auch stark von Witterung und Luftfeuchtigkeit ab. Kunsthandwerker müssen die Gesetze der Natur genau verstehen, denn nur bei der richtigen Luftfeuchtigkeit härtet der Naturlack gleichmäßig aus und erlangt seine legendäre Langlebigkeit.

Goldene und zinnoberrote Lackverzierungen in der Kaiserstadt Hue
Foto: Goldene und zinnoberrote Lackverzierungen in der Kaiserstadt Hue 

3. Charakteristische Produkte der Lackkunst aus Tien Non

Die Lackarbeiten aus Tien Non präsentieren sich in großer Vielfalt, von Alltagsgegenständen bis hin zu erlesenen Kunstwerken. Sie lassen sich in drei Hauptkategorien unterteilen:

  • Glanzlackarbeiten (Son quang): Hochglänzende Objekte in klassischen Grundtönen wie bernsteinfarbenem Braun, Tiefschwarz und Zinnoberrot, ideal für Schatullen und Teetabletts.
  • Zinnober- und Blattgoldarbeiten (Son son thep vang): Die edle Verbindung aus rotem Lack mit Blattgold- und Silberelementen erzeugt prachtvolle Muster, die häufig in Tempeln, Heiligtümern oder bei Kunstgemälden mit Landschaftsmotiven aus Hue zu finden sind.
  • Relief-Lackkunst (Son mai dap noi): Eine anspruchsvolle Technik mit plastisch hervorgehobenen Reliefmustern, die besonders bei Vasen und dekorativen Skulpturen zur Geltung kommt.

Die traditionelle Farbpalette umfasst Schwarz, Rot, Gold und Silber und wurde im Laufe der Zeit durch Blau, Grau, Eierschalenweiß sowie perlmuttartige Rosatöne aus Muschelschalen erweitert. Diese Erzeugnisse zeichnen sich nicht nur durch außergewöhnliche Haltbarkeit aus (wasserbeständig und termitenresistent), sondern besitzen auch einen hohen ästhetischen Wert und eignen sich hervorragend als stilvolle Geschenke oder Sammlerstücke.

Hochwertige kunstvolle Lackobjekte aus Tien Non
Foto: Hochwertige kunstvolle Lackobjekte aus Tien Non 

Das Lackhandwerk in Tien Non ist weit mehr als eine Lebensgrundlage – es ist ein lebendiges Kulturerbe von Hue. Das Handwerkerdorf bewahrt vietnamesische Traditionen und bildet eine reizvolle Route mit benachbarten Dörfern wie dem Papierblumendorf Thanh Tien oder dem für seine Holzschnittkunst bekannten Dorf Sinh. Besucher können Werkstätten besichtigen, die Kunst der Lackherstellung kennenlernen oder erlesene Unikate direkt von den Meistern erwerben.

Dank der malerischen Lage am Parfümfluss und nahe der Bootsanlegestelle Tien Non ist das Dorf ein idealer Zwischenstopp auf Rundreisen durch Hue. Aktivitäten wie Fahrradtouren durch weite Reisfelder oder Bootsfahrten zur Erkundung der historischen Altstadt von Bao Vinh ermöglichen authentische Einblicke in das lokale Leben. Wenn Sie eine Reise nach Hue planen, sollten Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Tien Non zu besuchen und dieses faszinierende Kulturerbe hautnah zu erleben.

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