Aus der Ferne betrachtet wirkt der Phu-Van-Lau-Pavillon mit seinen übereinandergeschichteten Dächern ausgesprochen ausgewogen. Der Pavillon ragt rund 11,67 m empor und fügt sich harmonisch in die weitläufige Uferpromenade des Parfüm-Flusses ein. Verglichen mit den monumentalen Palästen der Zitadelle von Hue ist der Phu-Van-Lau-Pavillon von kleinerer Statur, doch jedes bauliche Detail wurde in Proportion, Formgebung und Symbolik mit größter Sorgfalt durchdacht.
Holzkonstruktion mit 16 Säulen
Der Pavillon wurde als zweistöckiges Holzbauwerk mit einem Tragwerk aus edlem Eisenholz (Lim) errichtet. Das Gerüst ruht auf insgesamt 16 Säulen, darunter 4 durchgehende Hauptsäulen, die beide Stockwerke tragen, und 12 Nebensäulen. Das Erdgeschoss ist komplett offen gestaltet und verzichtet auf geschlossene Außenwände. Dadurch bleibt der Innenraum lichtdurchflutet und luftig, während Besucher von innen den freien Blick auf die Umgebung genießen können. Diese Gestaltung passt perfekt zur Lage am Flussufer: Wind, Licht und Landschaft fließen ungehindert durch das Bauwerk und verleihen ihm im Vergleich zu den oft streng abgeschlossenen Palastbauten eine spürbare Leichtigkeit.
Doppeldach mit gelben kaiserlichen Glasurziegeln
Die Dachkonstruktion sticht dem Betrachter sofort ins Auge. Das Bauwerk besitzt ein zweistöckiges Doppelwalmdach, bei dem das obere Dach kleiner dimensioniert ist als das untere. Die elegant gestaffelten Dachschichten erzeugen eine vollkommene Symmetrie und lassen die Gesamtstruktur trotz reicher Zierelemente leicht und schwebend wirken. Gedeckt ist das Dach mit gelben Glasurziegeln (Hoang Luu Ly), einem Material, das traditionell königlichen und kaiserlichen Bauten der Nguyen-Dynastie vorbehalten war. Der goldgelbe Glanz des Daches setzt einen reizvollen Akzent vor dem satten Grün der Parkanlagen und der schimmernden Wasseroberfläche.
Vier Fensteröffnungen und die Kosmologie von „Rundem Himmel und quadratischer Erde“
Ein bemerkenswertes Detail befindet sich im Obergeschoss: Alle vier Seiten des Pavillons verfügen über Fensteröffnungen, wobei die vordere und hintere Öffnung kreisrund, die beiden seitlichen Öffnungen hingegen quadratisch gestaltet sind. Kreis und Quadrat verkörpern in der ostasiatischen Philosophie das kosmologische Konzept von „Rundem Himmel und quadratischer Erde“. Die Einbindung dieser Formen verleiht dem Bauwerk neben seiner praktischen und ästhetischen Funktion eine tiefgründige spirituelle Dimension.
Kaiserliche Ornamentik und Farbgestaltung
Die Balustrade im Obergeschoss, der Fußboden im Erdgeschoss und die traditionellen rot-goldenen Lackarbeiten setzen glanzvolle Akzente. Die Verzierungen sind harmonisch in die offene Holzstruktur eingebettet, sodass der Pavillon seinen anmutigen Charakter bewahrt, ohne überladen zu wirken. Am Phu-Van-Lau-Pavillon stehend spürt man unmittelbar, wie vollkommen sich das Bauwerk in das Stadtbild von Hue einfügt: Vorne der Parfüm-Fluss, in der Ferne der Ngu-Binh-Berg und ringsum die historischen Monumente der Zitadelle. Der Pavillon bildet einen feinsinnigen, wohlproportionierten Blickfang in dieser weitläufigen Kulturlandschaft.
Nach fast zwei Jahrhunderten verkörpert der Phu-Van-Lau-Pavillon noch immer die unverwechselbare Architektur der Nguyen-Epoche. Seine gelben Ziegeldächer, die warmen Holzsäulen und die runden wie quadratischen Fensteröffnungen machen ihn zu einem unverkennbaren Wahrzeichen im historischen Erbe der alten Kaiserstadt Hue.

Foto: Am Phu-Van-Lau-Pavillon wurden einst kaiserliche Edikte verkündet